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Ausflug #12: Agnes Obel @ W-Festival 25.05.2017

Die dänische Singer-Songwriterin Agnes Obel spielte am Klavier in einigen Bands mit, bevor sie ihre Solo-Karriere startete und 2009 mit „Just so“ den ersten Hit landete. Ihre zweite Single „Riverside“ wurde in Film- und Fernsehproduktionen verwendet und gewann in Dänemark einen Filmpreis. 2012 erhielt sie außerdem den European Border Breakers Award (EBBA).

Mit einer spektakulär inszenierten Performance tritt die dänische Singer-Songwriterin Agnes Obel am 25.05. im Rahmen des W-Festivals in der Frankfurter Alten Oper auf. Auf der Bühne sind zahlreiche Instrumente aufgebaut, darunter Schlagzeug, Klavier, E-Piano, Ukulele, Xylophon und zwei Celli. Die drei Musikerinnen aus dem internationalen Ensemble treten ganz in Weiß auf, während die Sängerin in ein dunkelrotes, fließendes Kleid gehüllt ist. Agnes Obel hat ihr eigenes Klavier aus Berlin mitgebracht und entdeckt lachend ein paar alte Kaffeeflecken darauf. Als sie und ihre Musikerinnen zu spielen und singen beginnen, werde ich sofort mit dem andächtig lauschenden Publikum in fremd anmutende Klangwelten entführt. Die Musik ist sphärisch, sie erfüllt den ganzen Saal. Gepaart mit einer geheimnisvoll-mystischen Licht- und Filminstallation reißt sie das Publikum mit. Während des Auftritts wechseln die Bandmitglieder öfter die Instrumente und mehrere auf der Bühne installierte Kameras filmen sie dabei. Das Ganze wird live auf den Hintergrund der Bühne projiziert. Ein farbiges, sich drehendes Prisma kreiert dabei wundervolle Effekte, die durch verschiedene Licht-Stimmungen auf jedes einzelne Lied passen. Dazu arbeiten beide Cellistinnen (die jeweils noch mehrere andere Instrumente beherrschen) abwechselnd mit Live-Loops, und Agnes Obel spielt zu ihrem Gesang mal E-Piano und mal Klavier.

Die zauberhafte Vielstimmigkeit des Gesangs wird durch die Live-Loops noch verstärkt, sodass bei manchen Liedern die Illusion von einem ganzen Orchester entsteht. Klänge verteilen sich wie Rauch und werden dabei von anderen Instrumenten wieder aufgegriffen. Ich nehme die Songs als feenhaft zart und gleichzeitig düster-dystopisch wahr. Diese verwirrende Wirkung kreiert Agnes Obel mit ihrer Stimme, die manchmal zart und zerbrechlich klingt und manchmal kräftig – fast schon schreiend. Die Musik wirkt wunderschön und doch auch bedrohlich. Zum Singen benutzt die 36-Jährige zwei verschiedene Mikros, die ihre Stimme unterschiedlich klingen lassen. Das eine verleiht ihr mehr Hall und Räumlichkeit und trägt damit zu einem Gefühl der unendlichen Weite bei.

Neben dem Gesang spielt auch Rhythmus eine sehr große Rolle, verfließt jedoch mit den Melodien, sodass er nie zackig oder abgehackt wirkt. Dabei wird der rhythmische Part auch oft von den Celli übernommen oder zumindest unterstützt.

Die Texte der Dänin handeln viel von Gefühlen und Natur – und von der Verbindung dieser beiden Elemente. Es geht um Sehnsucht, Angst und Liebe und vieles in ihren Texten wirkt nicht greifbar.

Die Interaktion mit dem Publikum macht Agnes Obel sichtlich Spaß. Sie kündigt jeden Song mit einer kurzen Geschichte an – die meisten sogar auf Deutsch. Die hellauf begeisterten ZuschauerInnen hält zum Schluss nichts mehr auf den Sitzen und Agnes Obel verlässt mit ihren Musikerinnen unter tosendem Applaus die Bühne.

Info

(jb)

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