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Ausflug#7: Ibeyi @ Palmengarten, Frankfurt 19.07.2016

Ibeyi„The man is gone and mama says…“

Die MELODITA Redaktion besuchte am 19.07.2016 das Konzert von Ibeyi im Frankfurter Palmengarten im Rahmen der Konzertreihe „Summer in the City“. Die beiden Zwillingsschwestern sind aktuell total angesagt in Frankreich, außerdem füllen sie die Konzerthallen weltweit. Kein Wunder, dass auch dieses Konzert ausverkauft war! Uns stellten sie ihr gleichnamiges Debütalbum „IBEYI“ (2015) vor.

Unter freiem Himmel und bei fast 30C in der Sonne, saß eine gespannte und bunt gemischte Menschenmenge im Pavillon des Palmengartens und wartete auf Ibeyi. Die 1995 in Havanna geborenen Zwillinge betraten die Bühne sehr selbstbewusst und es war offensichtlich, dass sie große Lust auf den Abend in Frankfurt hatten. Die Stimmung im Publikum und bei Ibeyi steigerte sich von Song zu Song, die Aufforderung, näher an die Bühne zu rücken, wurde sogleich wahrgenommen, so entstand ein fast schon intimes Verhältnis zwischen dem Publikum und den Zwillingsschwestern.

Für uns waren die Songs „Mama Says“ und „River“ die ausdrucksstärksten Beiträge des Abends. In dem Song „Mama Says“ wird der Tod des Vaters 2006 und die danach entstandene Leere und Aussichtslosigkeit der Mutter thematisiert. An dieser Stelle wird deutlich, welches Potenzial Musik im Zuge der Verarbeitung von traumatischen Erlebnissen haben kann. Die Musik funktioniert hier als Bewältigungsstrategie von Trauer, gleichzeitig entsteht dieser wundervolle Song. In diesem Stück spielt Naomi Cajon, gleichzeitig macht sie eine enorm beeindruckende Form der Bodypercussion. Wir hatten so etwas noch nie zuvor gesehen, geschweige denn bewusst gehört, vor allem die Verbindung von Percussion und Bodypercussion in einem Song ist musikalisch anspruchsvoll. Der Song „River“ hat meiner Meinung nach sogar Berühmtheitspotenzial, dafür sprechen die über 6 Millionen Klicks bei Youtube. Der Song erinnert an MIA-Hymnen wie „Bad Girls“ und ist trotzdem melodischer und gefühlvoller.

Ibeyi_liveWenn man die Bühnen- und Internetpräsenz von Ibeyi vergleicht, fallen einem doch einige Unterschiede auf. Im Internet wirken die beiden eher düster und geheimnisvoll. Auf der Bühne stehen zwei Energiebündel, die kaum zu halten sind! Sie lachen, gestikulieren, sprechen mit dem Publikum und fordern es unentwegt auf, Stimmung zu machen.

Ebenfalls sind die Rollen zwischen den beiden Schwestern klar definiert: Lisa–Kaindé (voc, piano) genießt es voll und ganz auf der Bühne zu sein, sie kommuniziert viel mit dem Publikum, auch übernimmt sie 90 Prozent der Gesangsparts. Ihre Schwester Naomi (voc, perc) haben wir weitaus zurückhaltender erlebt; natürlich hat sie auch Spaß am performen, doch kommuniziert sie eher mit ihrer Schwester. Stimmlich ergänzten sich die beiden sehr passend, vor allem die schönen Yoruba-Gesänge machten das Konzert enorm abwechslungsreich. Der Vater hatte die Zwillinge in der Vergangenheit zu Yoruba-Musiksessions mitgenommen, daher die Verbindung zum afrokubanischen Yoruba-Sound.

Letztendlich waren wir doch ein wenig überrascht davon, dass Ibeyi wirklich nur zu zweit aufgetreten sind, mindestens einen Bassisten hätten wir erwartet. Dass sie mit nur einem E-Piano, einer Cajon, einem Effektgerät und mit der vorhin beschriebenen Bodypercussion solch eine Performance abgeliefert haben, hat uns alle sehr beeindruckt!

Die Kommunikation zum Publikum war durchgehend präsent, wir wurden aufgefordert, mitzusingen und zu tanzen. Ibeyi betonten, dass sie es sehr mögen würden, wenn alle mit ihnen zusammen das Konzert gestalten. Besonders eindrücklich blieb am Ende die starke Verbindung der beiden zueinander, sie tragen ein festes musikalisches Band zwischen sich und das spüren die ZuschauerInnen sofort. Außerdem war es super sympathisch, dass sie nach der Zugabe noch mal auf die Bühne gekommen sind, um eine letzte Performance zu gestalten. Das hätten wir nicht erwartet und nicht jede/r KünstlerIn hätte das getan. Aber wir hätten den beiden noch ewig lauschen können…

Am Ende wäre es schöner gewesen, das Konzert hätte in der Abenddämmerung begonnen, dann man hätte mehr mit verschiedenen Lichteffekten und Farben arbeiten können, um die jeweilige Stimmung zu unterstreichen, so gingen die Video-Projektionen, die einige Stücke begleiteten,  leider etwas unter.

Alles in allem fanden wir die Musikerinnen sehr präsent, sehr ausdrucksstark, sehr animierend und sehr selbstbewusst. Ein Konzert mit ihnen können wir nur weiterempfehlen!!!

(Foto oben: Ibeyi, Foto unten: privat)

Infos

(sm/tp)

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