Interviews, Reports

Gefühlvolle Newcomerin mit starker Stimme – ein Interview mit Emily Roberts

„Who’s got the lion’s heart?“ fragt die 23 jährige Hamburger Sängerin Emily Roberts in ihrer Single, die im Sommer 2016 erschienen ist. Der Song ist Teil einer gleichnamigen EP, die sehr minimalistisch gestaltet ist. Im Fokus steht Emily Roberts mit ihrer Gitarre, wirkt verwundbar und sanft. Ihre neuste Single „Santaclara“ könnten viele aus der Werbung kennen, ihr Debüt-Album soll bald veröffentlicht werden. Unsere Redakteurin Eva Werbach hat sie in Hamburg getroffen und mit ihr ein Interview geführt.

Wie alt bist du und wo bist du aufgewachsen?
Ich bin 23 Jahre alt und aufgewachsen bin ich im Hamburger Westen.

Wann hast du mit dem Singen angefangen?
Seit ich mich erinnern kann, bin ich von Musik umgeben. Gesungen habe ich irgendwie schon immer. Mit 11  habe ich mir das erste Mikrofon zu Weihnachten gewünscht. Und auch bekommen.

Kommst du aus einer musikalischen Familie? Wie bist du zur Musik gekommen?
Mein Vater ist Musiker. Es waren immer Gitarren im Haus, meist auch andere Musiker… Meine Mutter hat einen sehr guten Musikgeschmack und mich auch lange vor den Zeiten des Internets immer mit wunderbarer Musik beschallt.

Wann war für dich der entscheidende Punkt, an dem du dich vollkommen für die Musik entschieden hast?
Als ich 2013 mein Abitur gemacht habe, bin ich erstmal für 3 Monate nach Bad Hersfeld gegangen und habe dort bei den Theaterfestspielen mitgespielt. Ich stand schon seit ich 13 bin auch immer mal wieder als Schauspielerin auf der Bühne und wollte das eigentlich auch immer hauptberuflich machen. Doch dann habe ich aus Spaß einfach mal bei einem Musikwettbewerb von einer lokalen Tageszeitung mitgemacht. Und was als Späßchen losging, endete auf einmal im Finale. Damit hatte ich nie gerechnet und war sehr überrascht. Als dann auch noch Franz Plasa gesagt hat, dass er mit mir einen Plattenvertrag eingehen will, wurde mir zum ersten Mal klar, dass diese Leidenschaft vielleicht wirklich zum Beruf werden kann. Und dann habe ich mich erstmal voll und ganz darauf konzentriert.

Wer hat dich in deiner Anfangszeit unterstützt bzw. dahin gebracht, wo du heute stehst?
Meine Mutter hat mich zum Glück immer unterstützt, egal was ich tun wollte. Ich glaube, für viele Eltern ist es keine einfache Geschichte, wenn das Kind sagt, es wird Künstler. Da sehen viele erstmal Arbeitslosigkeit und finanzielle Abhängigkeit bis an ihr Lebensende. Aber meine Mutter ist selbständige Fotografin und mein Vater ja auch Musiker. Auch wenn es für beide nie leicht war, können sie mir ja schwer verbieten, meiner Leidenschaft nachzugehen, wenn sie selbst genau das Gleiche getan haben. Ansonsten haben mich die meisten meiner Freunde immer unterstützt. Und wenn nicht, dann sind sie auch nicht mehr meine Freunde. Wer mich kennt, weiß, wie sehr das ein Teil von mir ist.

Hat sich deine Art des Singens im Laufe der Zeit verändert?
Meine Art zu singen und auch meine Stimme an sich haben sich definitiv mit der Zeit verändert. Ich hoffe mal zum Positiven 😉 Die Stimmbänder muss man trainieren, dadurch kann man sehr viel aus seiner Stimme rausholen. Da ich eher faul bin, was Gesangsübungen angeht, hat sich meine Stimme über einen längeren Zeitraum mit meinem Leben verändert. Sie ist irgendwie mitgewachsen. Kann jetzt Geschichten erzählen, die ihr von drei Jahren vielleicht noch keiner geglaubt hätte.

Warum schreibst du in englischer Sprache?
Ich bin halb Engländerin, habe viele Verwandte in England. Schon als Kind hatte ich die Sprache ständig im Ohr, sie ist ein Teil von mir. Als ich sehr jung war, habe ich angefangen auf Deutsch zu schreiben, jedoch hat sich das relativ schnell erledigt und alles kam nur noch auf Englisch raus. Kann man sich manchmal einfach nicht aussuchen.

Foto: Florian Büttner

Woher nimmst du die Inspiration für deine Texte?
Die Inspiration für meine Texte kommt immer direkt aus meinem Leben. Es geht um Dinge, die ich erlebt, Menschen, die ich getroffen, oder Sachen, die ich gefühlt habe.

Gibt es Vorbilder, die dich inspiriert haben?
Es gibt viele Vorbilder, vor allem sind das immer wieder Menschen, die mich dazu inspirieren, selbst ein besserer Mensch zu werden. Aber wenn wir mal nur über die Musik sprechen: The Beatles haben mich von Anfang an geprägt, Alicia Keys ist auch ganz weit vorne dabei. Menschlich wie musikalisch. Adele’s Werdegang habe ich ganz genau zugeschaut und bewundere sie sehr.

Wie sicher warst du dir, dass das Singen Früchte tragen wird?
Also wenn man Musikerin wird, dann kann man sich oft erstmal von dem Gedanken, damit ganz reich zu werden, verabschieden. So etwas passiert lange nicht und dann nur den Wenigsten, aber darum gehts ja auch nicht. Das mein Gesinge mal Früchte tragen wird, dachte ich lange nicht und bin mir auch bis heute immer mal wieder unsicher.

Gab es Momente, in denen du den Glauben an dich verloren hast oder sogar aufgeben wolltest?
Es gibt immer mal Momente, in denen man an sich selbst zweifelt. Gerade in einem kreativen Beruf wird man sehr häufig vor die Fragen gestellt: „Warum genau du?“, „Was macht dich besonders?“ und „Warum kannst du es schaffen?“. Ich glaube, die einzige Antwort darauf ist: „weil ich es will“! Aufgeben ist für mich gar keine Option. Das steht für mich schon längst fest. Darum verschwende ich gar nicht erst meine Zeit mit diesen Zweifeln.

Am 20.02.2016 wurde deine Debüt-Single „Night“ veröffentlicht. Gibt es bald auch ein Album von dir, auf das wir uns freuen können?
Ja! Das Album ist wirklich bald fertig. Ich freue mich schon sehr darauf. Wir haben lange gearbeitet und gebastelt. Ein alter Song flog raus, ein neuer kam dazu, doch jetzt sind wir wirklich kurz vor der Vollendung der ersten Albums.

Welche Musikrichtung magst du persönlich am liebsten?
Ich höre relativ wenig Musik. Das war auch mal anders, doch jetzt gerade habe ich nicht so das Bedürfnis danach. Das ändert sich hoffentlich auch bald wieder. Doch wenn ich mal was anmache, dann sind das oft ältere Nummern von Louis Armstrong und Ella Fitzgerald. Oder Van Morrison. Das kann ich mir wirklich stundenlang anhören.

Lebst du deinen Traum?
Ob ich meinen Traum lebe… ich glaube das kann man so sagen. Ich bin zwar noch lange, lange nicht dort, wo ich mal hin will – ich möchte mich musikalisch noch so viel weiter entwickeln, viel mehr live spielen und auch viel mehr schreiben – aber mein Leben ist jetzt schon wirklich schön. Ich habe keinen Vorgesetzten, der mir Dinge befiehlt, die ich nicht tun möchte, ich habe einen sehr abwechslungsreichen, spannenden Alltag, in dem ich ständig tolle Menschen kennenlerne. Ich habe wirklich sehr viel Glück und dessen bin ich mir auch bewusst. Und jeden Tag dankbar dafür.

Aktuelle EP „Lion’s Heart“ (Bring Me Home/2016)

Warum hast du dich dazu entschieden, Lidl deine Stimme für den Song zu leihen und was hat sich seither für dich verändert?
An „Santa Clara“ zu arbeiten war wirklich eine reine Freude. Meine Freunde Simon und Christian von 2wei haben diesen Song geschrieben und mich gefragt, ob ich ihn erstmal einsingen will. Das hab ich natürlich gerne gemacht. Dann war er fertig und Lidl hat’s so gut gefallen, dass sie meine Stimme gerne direkt so behalten wollten. Und dann kam das eine zum anderen und auf einmal lief meine Stimme in 26 Ländern durch die Fernseher. Das ist schon ’ne fette Nummer. Dem Ganzen folgten natürlich auch ein paar Radiointerviews und Zeitungsartikel, viele Leute wurden auf mich aufmerksam und ich hoffe, dass wenn dieses Jahr ein Album von mir erscheinen wird, viele auch damit etwas anfangen können. Meine eigene Musik unterscheidet sich doch schon sehr von #santaclara, für mich ist das kein Problem und ich denke für den Rest auch nicht! Es geht bei mir wesentlich gefühlvoller, verletzlicher und ehrlicher zu. Viele werden überrascht sein.

(Titelfoto: Florian Büttner)

Infos

 (ew)

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