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Traumberuf Profimusikerin – ein Interview mit der Schlagzeugerin Theresa Stark

TSTheresa Stark – eine junge Frau mit viel Herz und Leidenschaft an den Drums. Die 26jährige Schlagzeugerin hat es in den letzen Jahren weit nach oben geschafft und interessante Musikprojekte von Jazz bis Electro ins Leben gerufen. Sie vereint technisches Können an den Drums mit Leidenschaft, Einfühlungsvermögen und stilistischer Ästhetik. Zu Recht hat sie kürzlich beim weltweiten „Hit Like A Girl“ Schlagzeug-Contest den zweiten Platz gemacht; mit dem Stück „So nah“ ihres Trios stark.müller.thornton hat sie die Jury von ihrem Können überzeugt. Wie sie so weit gekommen ist, was ihr die Musik bedeutet und warum sie am liebsten eigene Musik macht, erzählt sie uns im folgenden Interview.

Wann hast du mit dem Schlagzeug spielen angefangen? War es gleich dein Wunschinstrument?
Erstmal habe ich ganz klassisch Blockflöte gelernt. Als meiner Mutter dann mein hohes Energie-Level als Kind zu bunt wurde, kam mein Cousin (ebenfalls Berufsmusiker) auf die Idee mit der Trommelei.

Kommst du aus einer musikalischen Familie?
Ja, bei uns hat die ganze Family Musik gemacht. Meine Schwester singt, mein Papa spielte früher Trompete und hat uns selbstverständlich in die Blaskapelle gebracht. Meine Mutter spielt wie jedes Jahr an Weihnachten traditionell „Oh du Fröhliche“ auf dem Akkordeon.

Was waren die einzelnen Stationen deiner musikalischen Ausbildung?
Ich hatte lange Zeit bei meinem Cousin Joachim Leyh Unterricht. 2009 war ich dann an der Berufsfachschule für Musik in Dinkelsbühl – eine für mich sehr wichtige Station.

Hat sich deine Art des Übens im Laufe der Zeit verändert?
Auf jeden Fall! Früher habe ich sehr oft zu Musik geübt. Ich glaube, ich habe nahezu alle Toto Platten durchgespielt und immer wieder neue Sachen entdeckt. Das kam vor allem daher, dass mir die Übungen, die ich nötig gehabt hätte, zu trocken waren. Das hat sich allerdings im Laufe der Zeit geändert und ich finde mittlerweile auch Gefallen an technischen Frickeleien und versuche, konsequenter an meinen Schwächen zu arbeiten.

Du hast an der Berufsfachschule in Dinkelsbühl studiert. War das schon von Anfang an dein Ziel? Hat es dich Überwindung gekostet, dich dort zu bewerben?
Mein Cousin brachte mich auf die Idee, als der Wunsch vom Beruf des Profimusikers stärker wurde. Ich war natürlich sehr nervös und selbstkritisch, v.a. weil ich die erste Studioaufnahme meines Lebens für diese Bewerbung aufgenommen und eingereicht habe – ich konnte schon eine Woche vor dem Termin nicht mehr richtig schlafen.

Inwieweit hat dich die BfM geprägt? Wie sind deine Erfahrungen?
Meine 3 Jahre in Dinkelsbühl waren eine extrem wichtige Zeit für mich. Ich hatte neben Unterricht wie Tonsatz, Rock/Pop Geschichte und Klavier einen sehr guten Schlagzeugunterricht bei Claus Hessler. Das hat mich selbstverständlich in meinem Spiel sehr geprägt und die Herangehensweise zum Üben auch völlig auf den Kopf gestellt.

Wer hat dich in deiner Anfangszeit unterstützt bzw. dahin gebracht, wo du heute stehst?
Neben meinen Schlagzeug-Lehrern natürlich auch meine Familie, die keine Sekunde an mir gezweifelt hat. Das hat mir immer viel bedeutet, gerade weil dieser Berufszweig nicht zu den sichersten gehört.

Wann war für dich der entscheidende Punkt, an dem du dich vollkommen für die Musik entschieden hast? Wie sicher warst du dir, dass das Drummen Früchte tragen wird?
Ich wollte eigentlich schon immer für und von der Musik leben. Alles andere schien mir schon als Teenie zu eintönig. Eigentlich hatte ich nie andere Berufswünsche und hoffte einfach, dass das alles irgendwie mal klappen würde.

theresa-drum

Foto: Olga Hermann

Gab es Momente, in denen du den Glauben an dich verloren hast oder sogar aufgeben wolltest?
Die gibt es auf jeden Fall, wirklich aufhören wollte ich aber nie. Zweifeln oder Verzweifeln gehört eben manchmal dazu, bei mir zumindest.

Welchen Stellenwert hatte deine Karriere für dich, musstest du Freundschaften etc. vernachlässigen oder andere Hobbies aufgeben?
Musik stand für mich schon immer an erster Stelle. Freunde, die das nicht verstehen sind glaube ich keine richtigen Freunde – oder?

Du hast kürzlich beim weltweiten Schlagzeug-Contest „Hit Like A Girl 2016“ mitgemacht und von einer Jury aus bekannten Schlagzeugerinnen wie Terri Lyne Carrington zur 2. Siegerin erklärt. Wir gratulieren! Gab es denn eine richtige Preisverleihung in den USA, Konzerte oder Treffen mit der Jury, zu denen du dann eingeladen wurdest?
Nein. Die Siegerinnen wurden in einer Online- Preisverleihung verkündet- was nicht so schlimm ist, denn ich fliege nicht so gerne! Ich habe einige Preise bekommen und bald kommt noch ein Interview im DrumMagazin.

Hast du durch den Preis eine große Anerkennung auf internationaler Ebene erfahren? Welche Chancen bietet er dir?
Bis jetzt hat sich mein echtes Leben noch nicht verändert. Viral merkt man das schon ein bisschen durch vermehrte Likes, Klicks etc., die jetzt auch aus anderen Ländern kommen.

Starkmüllerthornton

stark.müller.thornton (Foto: Marc Wilhelm)

Du bist sowohl in deinen Trios stark.müller-thornton und Trio Rotation als auch in zwei anderen Bands aktiv. Was ist dein Hauptprojekt?
Momentan habe ich zwei Hauptprojekte. Zum einen natürlich stark.müller.thornton und zum anderen arbeite ich seit ca. einem halben Jahr mit T.L. Mazumdar zusammen – wieder ein ganz anderer Stiefel.

Welche Musikrichtung magst du persönlich am liebsten?
Das ändert sich ständig. Zur Zeit habe ich eine Playlist bestehend aus Snarky Puppy, Gretchen Parlato, Cäthe und The Intersphere. Sehr unterschiedliche Richtungen also… und so ist es auch mit der Musik, die ich mache, und diese Abwechslung ist gut so.

Was bedeutet deine Musik für dich?
Ich finde es extrem wichtig, eigene Musik zu machen. Nur so entwickelt man sich meiner Meinung nach weiter. Leider wird eigene Musik in Deutschland nicht ausreichend geschätzt und die Leute hören sich dann doch lieber zum tausendsten Mal Coverband X/Y an. Natürlich hat Covermusik nicht nur negative Eigenschaften – man muss/sollte dort auch einen guten Job abliefern und es ist natürlich auch ein einfacher Weg als Musiker Geld zu verdienen. Ich finde aber, man muss dem allem nicht so huldigen, unterm Strich ist das ja nur eine Mini-Playback Show für Große.

Wie fühlst du dich als einer der wenigen Schlagzeugerinnen im Musikbusiness?
Es hat positive wie auch negative Seiten. Man sticht natürlich immer etwas heraus und wird, wenn sich heraus stellt, dass man wirklich etwas kann, schon ein bisschen mehr geschätzt als männliche Schlagzeuger. Ich muss zugeben, dass mich das schon manchmal etwas nervt.

Ich habe generell den Eindruck, dass Instrumentalistinnen im ersten Moment kritisch beobachtet oder erst gar nicht ernst genommen werden. Wenn man dann abliefert, sind die Leute überrascht und können es gar nicht fassen… vor allem, wenn es um die Instrumente Gitarre, Bass und Schlagzeug geht.

Kannst du von deiner Musik leben?
Erstaunlicherweise ja! Ich könnte mir jetzt nicht ohne weiteres einen Porsche kaufen, aber der Kühlschrank ist immer voll.

Lebst du deinen Traum?
Kann man so sagen. Auch wenn das Musikerdasein ab und an mal mühsam ist, möchte ich mit keinem anderen Job tauschen. Man hat einfach immer neue Herausforderungen, lernt ständig neue Kollegen kennen – es wird nie langweilig.

Was machst du, wenn du nicht am Schlagzeug sitzt?
Konzerte anschauen oder Tatort.

http://theresastark.de

(sm/em/tp)

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