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Meine Arbeit auf der Musikmesse 2015

IMG_2586Ich mache nicht jeden Job. Aber als ich in Facebook gesehen habe, dass noch Leute auf der Musikmesse gesucht werden, da dachte ich: „Cool, eine bessere Location kann ich mir zum Arbeiten nicht vorstellen.“ Also habe ich sofort auf den Post geantwortet „ICH WILL!“ und nachdem ich einige hübsche Fotos eingeschickt hatte, wurde ich engagiert. Wie ich an so einen Job gekommen bin? Auf meiner Freundesliste war eine, die in einem Musikstudio arbeitet, das dieses Jahr zum ersten Mal einen Stand auf der Musikmesse hatte: Das Produkt war ein selbst zusammengestellter Audio-PC, der in Konkurrenz mit der Mac-Alternative auf den Markt tritt. Dass die meisten MusikerInnen scheinbar mit einem Mac arbeiten, darf man dabei nicht außer Acht lassen. Die Leute vom Gegenteil zu überzeugen und das Produkt irgendwie zu vermarkten, stand somit im Fokus der Promotion – und da kam ich ins Spiel.

Man braucht einen guten Köder, wenn man auf die Jagd geht – am besten Fleisch. Fisch geht auch, aber der stinkt. Und ähnlich ist es, wenn man Männer anlocken will, da braucht man hübsche Frauen – langbeinig, gewitzt, stets lächelnd und  leicht bekleidet. Da auf der Musikmesse größtenteils Männer herumlaufen, war es natürlich sinnvoll, sie mit möglichst vielen Mädchen mit Modelmaßen zu ködern. Das Outfit ist dabei genauso wichtig wie eine anhaltende, 8-stündige perfekte Pose – Schultern nach hinten und Brust raus. Sonst kann es schnell mal passieren, dass man von Passanten belehrt wird, wie man richtig zu stehen hat und wo man die Hände abstützen sollte, um nicht zu schüchtern zu wirken.

IMG_2605Wenn man alles richtig macht, wird man dann zur Belohnung auch ab und an von einem dickbäuchigen Alten zu einem Rendezvous eingeladen, oder es wird nach der Handynummer oder dem Schlüssel zum eigenen Herzen gebettelt. Das kann und sollte man jedoch mit einem Lächeln abtun, ansonsten kann es schwierig werden, die besagte Person zeitnah wieder loszuwerden. Ich unterhalte mich nicht so gerne lange mit Fremden, was nicht gerade die beste Voraussetzung für Erfolg versprechenden Kundenkontakt ist. Manche Leute kommen im Gespräch unangenehmerweise immer näher und ich gehe dann immer automatisch einen Schritt zurück – nicht nur wegen des Mundgeruchs – es gibt doch schließlich eine Komfortzone! Warum wird diese eigentlich nicht beachtet? Und manche Männer flößen mir auch Angst ein, wenn sie sich so ins Gesprächsthema vertiefen, dass sie schon aggressiv und verrückt rüber kommen. Man kennt sein Gegenüber ja nicht, wer weiß, wo der her kommt! Manche hatten einen offenen Hosenstall,  Löcher in der Kleidung und Flecken auf dem Hemd. Können die Leute sich für so ein Event nicht angemessen kleiden?

Am Anfang des erstem Messetages wurde mir dann bewusst, wie lange 4 Tage sein können, wenn man sich nicht von der Stelle bewegt und denselben Satz, wie: „Möchten Sie was gewinnen?“ gefühlte zehntausendmal wiederholt. Von jedem Zweiten wird man sowieso ignoriert oder abgewimmelt. Dann tun noch die Füße weh, die Beine verkrampfen und der Schweiß rinnt das Gesicht und den Körper hinunter, da es im Laufe der Tages gefühlte 40 Grad in der Messehalle werden.

Aber was soll‘s, die anderen machen ja auch ihren Job – die halten ja auch durch. IMG_2589Zum Beispiel die Blonde vom Nachbarstand in Hasenkostüm und High-Heels – und das obwohl Ostern längst vorbei ist… Also mir wäre das zu peinlich, ich würde schon nach einer Stunde in diesen Schuhen nicht mehr stehen können… Also reiß dich zusammen… Ich bereu`s jetzt schon, mich darauf eingelassen zu haben, wieder auf der Messe zu arbeiten, damals habe ich mir geschworen: Nie wieder Messe…! Und wenn ich jetzt abhaue, dann bekomme ich zwar kein Geld, aber habe auch noch nicht zu viel umsonst gemacht… Aber das kann ich jetzt nicht bringen, meine Freundin wäre voll enttäuscht und überhaupt – ich will doch Geld verdienen! Also los, der Nächste der jetzt vorbei kommt, den sprichst du an: „Hallo, möchten Sie am Gewinnspiel teilnehmen?“ Das waren so meine Gedankengänge – das verdiente Geld ist aber eine angemessene Entschädigung dafür. Es gibt wesentlich härtere Jobs mit weniger Glamour. Und wenn’s vorbei ist, ist man stolz wie Oskar durchgehalten zu haben.

In den Pausen bin ich ein bisschen herumgelaufen, aber ich kam nicht sehr weit. Hauptsächlich wollte ich mich hinsetzen, frische Luft schnappen, essen und trinken. Von dem ganzen Trubel Abstand zu gewinnen war mein Hauptziel. Schade eigentlich, denn die Musikmesse hatte für Besucher sehr viel zu bieten. Auf meinen Rundgängen durch Halle 5.1 habe ich viel gesehen und gehört. IMG_2578Das Publikum war hip, alle aus der Musikszene: Musiker, Produzenten, Dj’s. Ich hätte nicht gedacht, dass all diese Leute in der Musikbranche arbeiten, die ich dort gesehen habe. Es war eine regelrechte Reizüberflutung mit all der lauten Musik aus allen Ecken und den grellen Lichtern, wie eine riesige Party. Aber die neuen Errungenschaften der Technik haben mich beeindruckt: z.B. ein Keyboard ohne Tasten, dass nur auf Handbewegungen reagiert. Auch die Livemusik, die überall gespielt wurde, war sehr unterhaltsam. Es wurde aufgelegt, getanzt und gefeiert – es war ein Event für Jung und Alt. Es gab auch Aktivitäten in einer Halle speziell für Kinder. Die Vielseitigkeit der Angebote war überwältigend. Ich würde im Nachhinein gerne noch mal hingehen und mir alles genau ansehen. Denn ich mache selbst Musik und wurde durch diese vier Tage dazu inspiriert und motiviert mehr zu machen. Wie Ihr wisst, Musik ist einfach toll!

(hs)