Interviews, Reports

Sonnige Klänge aus Süditalien im Februar

Ein Konzertbesuch und die Gelegenheit zu einem Interview mit Jane Lazarovic

Etwas müde machte ich mich am Samstag, dem 07. Februar auf den Weg zu einem Abend mit traditioneller Musik aus Süditalien, gespielt auf Barockinstrumenten, die man auf diese Art und Weise wohl eher selten zu sehen und vor allem zu hören bekommt. Durchgefroren kam ich an der Emmauskirche in Eschersheim in Frankfurt an. Unerwartet viele Menschen füllten die kleine Kirche. Vielleicht wussten bereits einige von ihnen, was sie erwartete und sie saßen deshalb so freudig erwartungsvoll auf ihren Plätzen. Ich hingegen wurde von der Wärme und dem Feuer der Musik, die es tatsächlich vermochte, mit der Sonne Italiens die deutsche Kälte zu vertreiben, überrascht.

Jeder hat bestimmt schon erlebt, wie Musik die eigene Laune hebt und Emotionen weckt. Erstaunlich war dennoch, wie es diesem 5köpfigen Ensemble InCoincidenza gelang, das Publikum auf eine ganz besondere Reise verschiedener Klänge Süditaliens zu entführen.

Lieder über glücklich Liebende und unglücklich Verliebte, aber auch über Menschen, die nach dem Biss einer „Tarantella“, einer Spinne also, scheinbar verrückt zu werden scheinen und wie die Musik diesen Menschen Linderung verschaffen kann, wurden gespielt. Auf mich wirkten sie wie ein Spiegelbild des prallen Lebens. Die ausdrucksstarke Musik riss die Zuhörerschaft mit, sodass es am Ende des Konzerts niemand eilig zu haben schien, den Heimweg anzutreten. Stattdessen wurden gleich mehrere Zugaben eingefordert und gespielt.

Spannend war zudem die Zusammensetzung des Ensembles selbst: Tar´ Antonella, füllte mit ihrer (für eine Frau eher) tiefen, warmen Stimme den Raum bis zum letzten Winkel und vermochte es – als Italienerin vielleicht besonders gut -, die Stimmung der einzelnen Stücke ihres Heimatlandes, die sie von ihrer Großmutter gelernt hat, zu transportieren. Stefani Schleyer aus Deutschland begleitete die Stücke nicht nur mit ihrer Flöte, sondern brachte auch den Rhythmus ins Spiel. Christoph Seehase, ebenfalls aus Deutschland, spielte einerseits eine italienische Barocklaute, außerdem eine Barockgitarre und erklärte nebenbei den historischen Hintergrund, die Herkunft und zum Teil auch den Text der Stücke, so dass das Lebensgefühl hinter den Liedern besonders gut spürbar wurde. Yoshio Takayanagi aus Japan ergänzte die Musik mit den Klängen seiner italienischen Basslaute und denen einer weiteren Barockgitarre. Ebenso unterstützte die gesamte Gruppe phasenweise den Gesang. Jane Lazarovic aus den U.S.A. füllte die Kirche mit dem Klang einer Viola da Gamba, einer Kniegeige, und schien die Töne voller Freude an der Musik aus ihrem Instrument zu kitzeln.

Am darauffolgenden Tag hatte ich die Möglichkeit mit Jane ein Interview zu führen:

Seit wann spielt ihr in dieser Gruppe zusammen und wie ist es dazu gekommen?
Wir spielen nicht sehr lange in der Gruppe, erst seit November. Ich bin dazu gekommen, weil ich Christoph schon von einem anderen Projekt kannte, das zwei Jahre zuvor stattgefunden hat. Seitdem sind wir in Kontakt geblieben.

Seit wann interessierst Du Dich für historische Musik und wie hat sich das entwickelt?
Ich habe Interesse daran seit 2008, da habe ich in New York meinen Master als Kontrabassistin gemacht. Mein Kontrabasslehrer damals hat sich sehr für historische Musik begeistern können und auch Viola da Gamba gespielt. Er hat einmal eine historische Gruppe eingeladen mit Gamben, Barockgeigen und so weiter. Da habe ich dann Viola da Gamba ausprobiert und dachte mir: „Oh super, das ist so toll, das will ich weiter lernen.“ Es war nur eine kurze Erfahrung, aber ich habe es nie vergessen. Sofort nachdem der Master dort abgeschlossen war, bin ich nach Ungarn gegangen. Dort hatte ich ein Jahr lang ein Stipendium, um mich mit ungarischer Volksmusik zu beschäftigen. Aber ich dachte mir, da ich schon in Europa war, könnte ich gut mit Barockmusik weitermachen, wenn sich mir eine Gelegenheit dazu bietet.

Ist es grundsätzlich schwierig, diese alten Barockinstrumente wie Viola da Gamba zu kaufen, werden sie noch gebaut oder muss man sich wirklich auf die Suche nach alten Instrumenten begeben?
Die Instrumente werden noch gebaut, es gibt noch viele Instrumentenbauer, vor allem in Deutschland. Es gibt gar nicht so wenige Leute, die das hobbymäßig machen, deshalb werden sie noch gebaut. Kaum jemand spielt auf einem alten Instrument, das wäre wirklich schwierig zu bekommen.

Wo hast du gelernt Viola da Gamba zu spielen? Es klingt erst mal sehr ungewöhnlich, wenn jemand ein solches Instrument spielt. Gibt es viele Lehrer und Lehrerinnen, die das unterrichten?
Ich habe es hier an der Hochschule in Frankfurt gelernt. Es gibt nicht sehr viele Lehrerinnen und Lehrer, aber man kann Möglichkeiten finden, es zu lernen, auch in anderen Städten.

Wann hast Du überhaupt begonnen Musik zu machen und mit welchem Instrument hast Du begonnen?
Als ich sehr klein war, so 4 oder 5, habe ich Geige gespielt, und mit 10 habe ich dann mit dem Kontrabass angefangen.

Wie kam es dazu, dass Du Kontrabass lernen wolltest?
Ich wollte etwas anderes machen als alle anderen kleinen Mädchen. Denn im Geigenunterricht habe ich gemerkt, dass sehr viele von den Mädchen in meinem Alter Geige spielten. Und dann habe ich den Kontrabass entdeckt. Das war bei einem Musical, bei dem ich mit meinen Eltern war. Es gab da ein Stück, während dem die Leute auf der Bühne getanzt haben mit riesigen Kontrabässen. Das fand ich so großartig, ich habe gesagt: „Das will ich lernen!“

Du hast ja nicht nur in Deutschland studiert, sondern auch in den U.S.A., in Kanada und in Ungarn. Gibt es Unterschiede und wo hat Dir das Studium besonders gut gefallen?
Ich kann nicht sagen, wo es mir besonders viel Spaß gemacht hat. Es hat überall Spaß gemacht, ich hatte immer sehr gute Lehrer. Die Qualität war an jeder Hochschule sehr gut. Vielleicht gibt es strukturelle Unterschiede zwischen den Hochschulen in den U.S.A. und denen in Deutschland, aber es war überall gut.

Du spielst ja auch in einer Band. Gibt es eine Stilrichtung, die Du besonders gern spielst? Oder brauchst Du diese Vielfalt und genießt es, unterschiedliche Musikrichtungen zu spielen?
Ich habe keine Gattung, die ich bevorzuge. Ich brauche es, verschiedene Stile zu spielen. Es tut gut Bach zu spielen und hinterher italienische traditionelle Musik. Ich fühle mich dann besser.

Hast Du Vorbilder und gibt es Komponisten, deren Musik Du besonders gerne spielst?
Eigentlich nicht, es gibt viele Musiker und Musikerinnen und auch Komponisten und Komponistinnen, die ich schätze.

Hast Du selbst auch Musik geschrieben?
Ich habe während des Studiums ein bisschen komponiert, als ich meinen Master in New York gemacht habe. Da habe ich zwei Stücke für Kontrabass komponiert. Inzwischen mache ich es eher nicht mehr, weil es so schwer ist (sie lacht).

Zu guter Letzt wollte ich Dich noch fragen, ob Du anderen jungen Menschen auch dazu raten würdest, Musik zu studieren? Welche Herausforderungen stellen sich einem in diesem Studium und welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?
Das ist eine gute Frage. Ich würde sagen, wenn sie unbedingt Musik studieren wollen, sollen sie es machen. Aber wenn sie noch andere Interessen haben und andere Studienfächer in Erwägung ziehen, sollten sie vielleicht lieber diese Fächer studieren. Denn Musik kann man immer machen. So können sie dann beides verwirklichen. Denn eine Karriere im Bereich Musik ist schon nicht einfach, aber natürlich machbar. Man muss als Musiker glaube ich Flexibilität mitbringen und Geduld. Und man muss sehr fleißig sein und darf, denke ich, nicht erwarten, der nächste berühmte und reiche Popstar zu werden. Man muss verschiedene Dinge ausprobieren und vielleicht auch unterrichten nebenbei, dann findet sich ein Weg.

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten und für das schöne Konzert!

(tsb und mw)

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